Feuer , Wasser , Wüste , Wald

– eine Kunstausstellung der Peter-Ustinov-Realschule im Bezirksrathaus Nippes vom 16.06.2015 bis 09.07.2015.

Einführung

Feuer, Wasser, Wüste, Wald“ – das sei ein passender Titel für diese Ausstellung, meinten ohne langes Zögern die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellungssteuergruppe. Denn was symbolisiert die Vielfalt bildender Künste treffender als die Farbenpracht und der Formenreichtum dieser lichtbewegten Landschaftsräume: das bewegte Grün verschatteter Wälder, das leuchtende Gelb flirrender Wüsten, die Blautöne schwingender Meere oder das flammendes Rot strömender Vulkane.

Dass diese Ausstellung heute hier in der Rotunde des Bezirksrathauses Nippes eröffnet werden kann, verdanken wir vor allem dem Engagement von Herrn Rupsch. Ihnen möchte ich auch im Namen der Künstlerinnen und Künstler unserer Schule herzlich danken für eine Präsentation, die eindrucksvoll zeigt, in welche unterschiedliche Gestaltungsrichtungen sich das künstlerische Auge von Kindern und Jugendlichen bewegt und den Betrachter mit ungewöhnlichen Sichtweisen fasziniert.

Kunst 2015

Ausstellungsbesucher, die hier vor einem malerischem Feuerwerk stehen oder die einfallsreiche Kostümierung der Magic Dollys ebenso bestaunen wie die komplexe Architektur eines dynamischen Modellbaus, könnten vielleicht verwundert auf diese Gestaltungsleistungen schauen, wenn sie das Alter der jungen Künstler bedenken. Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 16 Jahren sind es, die einen derart sprühenden Fächer leuchtender Lebenswelten in Szene setzten. Kann das von Schülern solchen Alters erwartet werden?

Mancher von uns ist sicherlich davon überzeugt, dass Kinder, wenn sie ihre Bildwelten gestalten, in der Regel strikten Vorstellungsschemata folgen, Gesetzmäßigkeiten, die die Fülle an Gestaltungsmöglichkeiten auf die Variation einiger grundlegender Formprinzipien reduzieren.

Kunstausstellung 2015

Schauen wir jedoch beispielsweise auf die malerischen, plastischen und architektonischen Werke, dann wird sogleich deutlich, dass wir den Leistungen der jungen Künstlerinnen und Künstler keinesfalls gerecht werden, wenn wir hier im Gefüge komplexer Farb- und Formfindung nach der Prägnanz schematischer Darstellungsweisen suchen.

Im Ausgang von der Vorlage beispielsweise vertrauter Alltagsgegenstände oder bestaunter Kulturgüter gelingt es den jungen Künstlerinnen und Künstlern, Realitätstreue, Formphantasie und malerischen Klang miteinander zu verbinden, um das Vorgefundene als individuell Erlebtes zur Anschauung zu bringen. Im Rhythmus von linearer Bewegung und malerischer Dichte inszenieren sie eine erlebte Objektwelt, deren plastische Tiefe aus den lebhaften Schwingungen zwischen Raumtiefen, lichten Farbschleiern und satter Pigmentierung erwächst.

Kunst 2015

In einem Wechselspiel von Beobachtung und Einbildungskraft verwandeln die Kinder und Jugendlichen die Außenwelt in Eigenwelt, in einen selbsterschaffenen Bildraum, der zwar optische Bezüge zur realen Erfahrungswelt erhält, diese zugleich aber überschreitet.

Dadurch gelingt es ihnen, die magische Kraft von Form und Farbe einzigartig zu entfalten und den Betrachter zu faszinieren.

So entdecken die Schülerinnen und Schüler in der malerischen Gestaltung unerschöpfliche Ausdrucksmöglichkeiten bildnerischer Gestaltung. Körper und Raum bauen sie allein dadurch auf, dass sie im Rhythmus horizontaler und vertikaler Bewegungsrichtungen satte und zarte, kräftige und gebrochene Strichlagen abwechslungsreich gegeneinander setzen und so lineare und malerische Elemente spannungsreich ineinander zu verschränken wissen. Durch den bewegungsorientierten Gestaltungsmodus gewinnt ihre Malerei an Dramatik. Aus der Balance zwischen Nähe und Ferne, lichter und verhangener Schattenmodulation, schmaler und breiter Strichlage, zwischen durchdachter Linie und spontaner Geste erwächst ein lebendiger Bildraum. Erstaunlich ist das hohe Maß an geradezu professioneller handwerklicher Perfektion, mit der die jungen Künstlerinnen und Künstler die virtuose Qualität ihrer Arbeiten erzielen.

Zu besonderen Leistungen gelangten Schülerinnen und Schüler der Peter-Ustinov-Schule jedoch nicht nur im Malerischen, sondern auch im Bereich des dreidimensionalen Gestaltens.

Kunstausstellung 2015

So verwandelten Schülerinnen der Jahrgangsstufe 10 aussortierte Tassen, Töpfe und Flaschen einfallsreich z.B. in einen festlich verzierten Pokal oder einen schwarzen Becher aus golden knospenden Gefäßwänden.

Auch die Magic Dollys der 5d haben sich farbig gewandet in bereits abgelegte, wieder entdeckte Stoffe, zugeschnitten aus längst vergessenen Textilien, versehen mit schimmernden Pailletten, glänzenden Schleifen und wogenden Bordüren.

Sich mit eigener oder fremder Kultur bildnerisch auseinanderzusetzen, war die gestalterische Herausforderung, der sich die jungen Künstler/innen der Jahrgangsstufe 9 auf ihrer Suche auch nach kultureller Identität fantasievoll und handwerklich geschickt stellten.

Kunstausstellung 2015

Aus Materialien aller Art, von Holz, Stroh, Stoffen, farbigen Papieren bis zu Ton und Gips fertigten sie Modellgebäude, deren komplexe Raumgestalt voll Spannung aus den Schwingen ihrer Ummantelung hervortritt als eine faszinierende Sicht auf eigene oder fremde Kulturräume, als eine Inszenierung von Sehnsuchtsraum und Traumvision, wie z. B. die architektonischen Darstellungen des Leanderturms vor Istanbul, das Modell einer äthiopischen Kirche. Wie unterschiedlich jeweils die Schüler z. B. auf ein und dasselbe Kulturgut blicken, zeigen anschaulich die drei individuell einzigartig gestalteten Modelle des Leanderturms.

Die im Bezirksrathaus präsentierten Kunstwerke verdanken sich nicht dem Zufall, sondern zeigen in eindrucksvoller Weise, dass die bildnerische Leistung der jungen Künstlerinnen und Künstler nicht aus typisierten Gestaltungsrezepten resultiert, sondern aus einem Prozess individueller, eigenständiger Formfindung hervorgegangen ist.

Kunstausstellung 2015

In ihren Bildwerken greifen die jungen Künstler die Vielfalt ihres alltäglichen Erlebnisumfeldes auf, entdecken das stürmische Treiben einer Teekanne, den neugierigen Blick eines Pinoccio, die Festtagsstimmung der Magic Dolly, den Zauber eines verwunschenen Märchenturms oder den mutigen Blick hinter den Creeper.

So unterschiedlich sich aber ihre Blickwinkel auch ausnehmen, so weisen doch alle Arbeiten der Poesie von Form und Farbe einen zentralen Rang zu: der Poesie von Feuer, Wasser, Wüste, Wald. Sie ist es, die den jungen Künstler zu einem Mittler von Außen- und Eigenwelt wird, die den malerischen oder plastischen Körper als einen schillernd schwingenden Organismus hervorbringt.

Dr. M.A. Bußhoff

Pressestimmen

Hier sind die Artikel aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger und aus dem Kölner Wochenspiegel zu finden.